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Lilian Franck

Du befasst dich nicht zum ersten Mal mit dieser Thematik – was reizt dich daran? Was ist das Besondere an dem Thema, was für einen Bezug hast du dazu?

Ich bin Agnostikerin und eigentlich gut beschäftigt, aber dazwischen gibt es immer wieder Momente, in denen die Frage nach dem aufflackert, was größer als das eigene Leben ist. Und da gibt es im Bereich der Religion viele Antworten. Meine Fragen wurden dadurch nicht beantwortet, obwohl ich als Pfarrerstochter aufgewachsen bin. Im Lauf der Zeit hat sich mein Vater dann vom evangelischen Theologen zum Psychologen entwickelt, der immer wieder gerne in indischen Ashrams betet. Gemeinsam mit Robert Cibis und Michaela Kirst habe ich schon zwei Filme im evangelikalen Milieu gemacht („Menschenfischer“ und Kommt „Europa in die Hölle?“). Während der Dreharbeiten dazu erfuhren wir von dem geplanten Missionseinsatz während der WM. Das fanden wir sofort spannend und wir haben die Recherche dafür begonnen.

Mir ist wichtig, dass die Evangelikalen nicht einfach nur schnell als Spinner abgetan werden. Das heißt nämlich dass man/frau sich nicht mit ihnen beschäftigt. Aber dafür sind sie inzwischen zu einflussreich geworden. Es gibt laut dem Nouvel Observateur schon 500 Millionen evangelikale Christen auf der Welt. Und sie prägen maßgeblich Politik und Kultur, vor allem in den USA. Ich will etwas dagegen tun, weil ich ihre Überzeugungen nicht teile. Deswegen muss ich sie ernst nehmen und durchaus sehr kritisch betrachten: Überlegen wer sie sind, wie sie funktionieren und warum. Wir müssen über sie aufklären und wir müssen debattieren.

Gab es spezielle Herausforderungen während des Schnitts?

Da der Film rein beobachtend gedreht ist, gab es sehr viel Material, ca. 200 Stunden. Das lag auch daran, dass drei Regieteams parallel gedreht haben und jeder Regisseur das Gefühl hatte, für einen ganzen Film zu drehen. Das hieß, dass wir uns von sehr vielen schönen Szenen trennen mussten, was uns nicht immer leicht gefallen ist. Je weiter wir im Prozess waren, desto klarer wussten wir, was wir wirklich für die Geschichte des Films brauchen und was nicht. Cody ist im Lauf des Schnitts immer wichtiger geworden, wobei eine andere Protagonistin komplett raus gefallen ist.

Wie habt ihr das Vertrauen der Protagonisten gewonnen?

Das war ein mehrjähriger Prozess. Scott hatte Michaela Kirst bei einer Recherche 2004 in New York kennen gelernt und schon einen Film mit ihm gedreht. Die anderen kamen auch über die Kontakte im evangelikalen Milieu, die wir schon während dieser Zeit geknüpft hatten. Ihr Vertrauen haben wir gewonnen, indem wir sehr viel Zeit mit ihnen verbracht haben und dabei offen und ehrlich mit ihnen geredet haben. Wir haben aber auch bewusst vermieden, uns in Streitgespräche mit ihnen zu verstricken, weil wir wussten: Dann machen sie zu. Und das wollten wir nicht. Denn dann hätten wir auch weniger von ihnen erfahren, was schade für den Film wäre.

Kanntet Ihr die Protagonisten oder wie habt Ihr sie kennen gelernt? Warum genau diese vier?

Wir fanden einerseits wichtig USA, Afrika und Deutschland im Film vertreten zu haben. Andererseits ergänzen sich die verschiedenen Typen und Geschichten auch sehr gut: Tilman, der wie ein zweiter Jesus gefeiert werden möchte und am Ende mit einem alten Verwirrten diskutiert, dessen vermessenen Thesen Tilmans Weltbild ad absurdum führen.
Der energiegeladene Gershom, der Europa remissionieren will und dabei mit seiner Art immer mehr scheitert. Und der schüchterne Cody mit seinem Mentor Scott, der eigentlich nur dazugehören will, aber am Ende dann doch als Einziger seine Zweifel an dem evangelikalen Glauben und dem Missionsbefehl äußert. Und dadurch doch der Mutigste aus der Gruppe ist.

Wie lange und mit wie vielen Teams wurde gedreht?

Mit drei Teams während der gesamten Fußball WM und auch jeweils eine Woche lang vor der WM, sowie nach der WM.

Wie lange dauerte die Postproduktion?

Alles in allem über ein Jahr lang. Wir haben zwischendurch mehrere Kinosichtungen organisiert und den Film auf das Feedback vom Publikum hin umgeschnitten, um zu einem möglichst kohärenten und kinogeeigneten Ergebnis zu kommen.